• Prisoner X

#14 Darüber kann man nur lachen – Part IV

Einige Leser mögen an dem Wahrheitsgehalt zweifeln, was die Untauglichkeit einiger Gefängnisverwalter betrifft und glauben, dass ich übertreibe. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass alle hohen Verwaltungsangestellten des Federal Bureau of Prisons (B.O.P.) – dem amerikanischen Bundesamt für Gefängnisse - Politiker sind. Wie die meisten Politiker sonst auch, sind sie weitaus mehr an der Förderung ihrer eigenen Karriere interessiert als an der Ausübung ihrer Arbeit.


Eine der verlässlichsten Methoden, seine Karriere im B.O.P. voranzutreiben, ist das Verfassen eines Memos, das eine Änderung der Politik im Gefängnis bewirkt, welche zu einer vermeintlichen Erhöhung der Sicherheit führt. Viele Verwaltungsmitarbeiter, die sich einen Aufstieg erhoffen, verbringen ihre gesamte Zeit damit, neue Vorschriften mit diesem Ziel auszutüfteln. Das Ausmaß an Absurdität, das diese Ideen teilweise erreichen, kann man sich kaum vorstellen. Die folgende Ausführung betrifft lediglich jene Vorschläge, die vom Gefängnis tatsächlich umgesetzt wurden. Es gibt jedoch viele weitere, noch skurrilere Überlegungen zur Verbesserung der Sicherheit, von denen niemand jemals erfahren wird.



Vor einigen Jahren stellte das Gefängnis den Verkauf von Erdnussbutter im Glas ein. So wird sie jetzt nur noch in weichen Verpackungen verkauft, aus denen die Erdnussbutter herausgedrückt wird. Der Grund für diese Änderung war, dass die Gefangenen das Erdnussbutterglas benutzen könnten, um heißes Wasser in das Gesicht der Wärter zu schütten.


Zunächst einmal haben alle Zellen in diesem Gefängnis massive Türen und keine offenen Gitter, wie die meisten alten Haftanstalten. Jemandem etwas ins Gesicht zu schütten würde sich als sehr schwierig, wenn auch zugegebenermaßen nicht unmöglich erweisen. Außerdem ist in den mehr als zwanzig Jahren, in denen es den Todestrakt hier gibt, noch nie eine Wache auf diese Weise mit heißem Wasser angegriffen worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies in Zukunft geschieht, ist äußerst gering. Zu guter Letzt können im Gefängnisladen nach wie vor Tassen, Thermoskannen und Schüsseln von den Häftlingen erworben werden. Jedes dieser Gefäße ist speziell für die Aufbewahrung von heißen Flüssigkeiten gedacht, mit einem größeren Fassungsvermögen als ein Erdnussbutterglas – somit wäre jedes dieser Behältnisse für einen derartigen Angriff praktischer.


Den Erwerb von Erdbussbutter in Gläsern zu verbieten hat also genau gar nichts bewirkt. Dennoch wurde es so durchgesetzt, das Gefängnis wurde als sicherer eingestuft und der Autor des Memos erhielt eine Beförderung, die auf dieser „Tatsache“ basierte.


Nicht viel später wurde der Jalapeño-Käse von der Liste der zugelassenen Artikel, die im Gefängnisladen verkauft werden dürfen, gestrichen. Als Grund dafür wurde angegeben, dass die Gefangenen die Jalapeño-Stückchen aus dem Käse herauspicken und sie in die Augen der Wärter schnipsen könnten, was zu Blindheit und Schmerzen führen könnte. Ich denke, ich muss ausführen, wie schwierig und unwahrscheinlich sich ein solches Szenario gestaltet. Wenn ein Häftling jedoch die Absicht hätte, eine Wache mit Peperoni zu attackieren, würden sich die Gläser mit geschnittenen Jalapeños, die immer noch verkauft werden, mit größerer Wahrscheinlichkeit als wirksam erweisen. Die Ironie, ganze Peperoni beizubehalten, während man die kleinsten Stücke davon verbietet, blieb der Verwaltung offenbar verborgen, und wir durften die Gläser mit den Jalapeños immer noch kaufen, während uns der Käse verwehrt wurde. Im Jahr darauf erkannte offenbar ein neuer Aufseher die Lächerlichkeit dieser Regelung und erlaubte uns wieder, Jalapeño-Käse zu erwerben. Zu diesem Zeitpunkt war der Verfasser des Memos nach seiner Beförderung, die er erhalten hatte, weil er das Gefängnis vor den gefürchteten Peperoni-Schnipsern sicher gemacht hatte, bereits weitergezogen.


Vor ungefähr zehn Jahren wurde Zahnseide verboten. Irgendein Verwalter las in einem fiktiven Roman über einen MacGyver-ähnlichen Geheimagenten, der Zahnseide benutzte, um die Gitterstäbe seiner Zelle durchzusägen. Seit es Gefängnisse (oder Zahnseide) gibt, ist dies noch nie vorgekommen, aufgrund der Tatsache, dass es schlichtweg unmöglich ist. Jedoch scheint kaum einem Verwaltungsmitarbeiter je in den Sinn zu kommen, die eigenen Ideen einem Fakten-Check zu unterziehen. So wurden Memos geschrieben, Regeln geändert und das neue Verbot wurde sofort umgesetzt, um die Öffentlichkeit zu schützen und Massenausbrüche mittels Zahnseide zu verhindern. Obwohl unser Zahnfleisch nun vielleicht weniger geschützt sein mag, wurde die „Gefängnissicherheit“ erhöht und - wer hätte es gedacht - eine Beförderungen erteilt.


Was kann man da tun, außer lachen?


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Foto: josefkubes / Shutterstock.com

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