• Prisoner X

#1 Einführung

Willkommen bei Insight Death Row.

Dieser Blog direkt aus der Todeszelle eines US-Gefängnisses soll seinen Lesern einen realistischen Einblick in den Alltag von sowohl Todestraktinsassen als auch von regulären Häftlingen des US-amerikanischen Gefängnissystems geben. Im Laufe meiner Beiträge möchte ich auf verschiedene Themen eingehen und Interessierte darüber informieren, wie diese bizarre, alternative Welt, die von denjenigen außerhalb der Gittern, Mauern und Zäune nur sehr schlecht verstanden wird, wirklich aussieht.

Warum halte ich diesen Blog für notwendig?

Ich habe bisher festgestellt, dass fast alles, was der Durchschnittsmensch über das US-Gefängnis zu wissen glaubt, falsch ist. Die klassischen Gefängnis-Stereotypen, die von Hollywood-Filmen aufrechterhalten werden, existieren so größtenteils nicht. Was die zahlreichen Gefängnis-Reality-Shows im Fernsehen zeigen, enthält so wenig "Realität" wie jede andere Serie dieses Genres. Die von nicht ausreichend informierten Nachrichtensprechern zitierten Statistiken sind oft bestenfalls irreführend, wenn nicht sogar völlig unzutreffend. Meinungsäußerungen von Politikern zu diesem Thema, egal aus welchem politischen Lager sie stammen, sind häufig reine Propaganda und nur dazu bestimmt, ihre jeweilige Agenda zu unterstützen. Ein faktisch haltbares, wahrheitsgetreues Fundament fehlt dabei oft gänzlich. Die sogenannten "Gefängnisexperten" sind oft die Schlimmsten unter den Beteiligten, indem sie sich ihre Geschichten mit einem Eifer zusammenfabrizieren, der von Schriftstellern fiktiver Romane nur beneidet werden kann. Die Informationen der aufgeführten Quellen erwecken oft ein stark verzerrtes Bild der Realität hinter US-amerikanischen Gefängnismauern.

Warum bin ich gut geeignet, einen echten Einblick in das Gefängnisleben zu geben?

Ich bin derzeit Häftling im Todestrakt des Bundesgefängnisses in Terre Haute, Indiana. Für fast drei Jahrzehnte wurde ich quer durchs Land transportiert und in verschiedenen Bezirks-, Staats- und Bundesgefängnissen ebenso wie in privaten, gewinnorientierten Haftanstalten untergebracht. Ich habe mehr als ein halbes Dutzend an Gerichtsverfahren hinter mir, die vor verschiedenen gerichtlichen Instanzen ausgetragen wurden. Insgesamt wurde ich über 40 Mal versetzt, was mir einen besseren Überblick über das System und eine Breite an Erfahrungen verschafft hat, wie sie von niemandem, den ich kenne, überboten werden kann.

Warum habe ich mich entschieden, anonym zu bleiben?

Aus folgendem Grund stelle ich mich nicht namentlich vor: ich halte es in Hinblick auf die Absicht dieses Blogs für kontraproduktiv. Durch die Nennung meines Namens würde sich vieles um mich persönlich, meinen Charakter und die Sachlage meines Falles drehen. Das sind völlig getrennte Dinge, die an anderer Stelle thematisiert werden können und auch wurden. Sie hier zur Sprache zu bringen würde mich von meinen zentralen Bemühungen ablenken und es geht hier nicht um mich als Individuum. Es geht darum, was Häftlinge allgemein im Gefängnis und im Todestrakt erleben und wie sich ihr Alltag gestaltet, unabhängig davon, wer sie sind oder wofür sie inhaftiert wurden.


Warum sollten Sie diesen Blog lesen?

Die Folgen von Fehlinformationen begegnen mir täglich. Gegner der Todesstrafe und Gefängnisreformer werden oft von skrupellosen Gefangenen in die Irre geführt, die sich Sympathie und persönlichen Nutzen erhoffen. So kann es passieren, dass gutgläubige Menschen jenen zum Opfer fallen, denen sie versuchen zu helfen, sie werden ausgenutzt und ihre Bemühungen damit verschwendet, nichtexistierende Notstände zu beheben. Befürworter von harten Bestrafungsmethoden werden oft von ähnlich skrupellosen Vertretern des Straf- und Gesetzesvollzugs belogen, die nach mehr Profit und Nutzen für sich selbst streben. Menschen mit Freunden oder Familie hinter Gittern, kennen die Realität des Gefängnislebens oft nicht und sind daher nicht in der Lage, ihren Angehörigen richtig zu helfen. Anwälte verstehen die Funktionsweise des Gefängnisses oft nicht richtig und sind daher kaum in der Lage, ihre Mandanten richtig zu betreuen. Diese Liste von Menschen, die von den Auswirkungen von Fehlinformationen betroffen sind, geht immer weiter.


Jedes Jahr werden mehrere Milliarden US-Dollar an Steuergeldern in Gefängnissen verschwendet. Dieses Geld kommt aus der Tasche der Bürger. Derzeit befinden sich 1,4 Millionen Menschen in US-Gefängnissen, von denen die meisten eines Tages frei sein werden. Studien haben gezeigt, dass die Verhaltensweise von Ex-Häftlingen nach deren Entlassung zumindest teilweise mit den Haftbedingungen, unter denen sie gestanden haben, zusammenhängt. Wenn sie als schlechtere Personen wieder aus dem Gefängnis entlassen werden als sie vor Antritt ihrer Haftstrafe waren, ist es die Öffentlichkeit, die letztendlich leidet und dafür bezahlt. Wir können nicht so tun, als ob diese Probleme nicht alle Menschen betreffen würden. Korrekte Informationen über Gefängnisse sind notwendig, um sicherzustellen, dass sie sicher, effektiv und effizient funktionieren. Außerdem helfen sie, Rückfälle zur Kriminalität zu reduzieren und die Zahl der Häftlinge zu senken.


Die Schlüssel hierzu sind Bildung und das Erlangen von Einblicken...

Einblicken ins Gefängnis.


Genau das versuche ich mit diesem Blog zu liefern.



Foto: FOTOKITA/ Shutterstock.com

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