• Prisoner X

#18 Nicht alles dreht sich um Gangs – Part III

In den 1980er Jahren erschien ein Film namens "Die rote Flut" mit Patrick Swayze in der Hauptrolle. Die Handlung war ziemlich lächerlich: Russland startet eine Überraschungsinvasion auf die USA, übernimmt einen großen Teil des Landes und der einzige Widerstand kommt von einer kleinen Gruppe jugendlicher Football-Spieler.

Dennoch erlangte der Film bei vielen Männern, die in dieser Zeit aufwuchsen, Kultstatus. Fast jeder Mithäftling, den ich kenne, liebt den Film und verfolgt die Handlung mit Freude und lauten Kommentaren, wenn er mal wieder ausgestrahlt wird.

Vor einigen Jahren, als ich mich in einem anderen Gefängnis befand, wurde "Die rote Flut" spät in der Nacht ausgestrahlt und wir alle schauten den Film an. Im Gegensatz zum Bundesgefängnis in Terre Haute, welches über solide Zellentüren verfügt, waren die Zellen dort lediglich mit Gitterstäben abgeriegelt. Dadurch herrschte immer eine extreme Lautstärke und alle riefen einander zu, wenn ihre Lieblingsszenen drankamen. Wie üblich hatte jemand Wein gemacht. (Es ist durchaus möglich, dass ich der Übeltäter war.) Viele waren also betrunken und es war sogar noch lauter als normal.


Jedes Mal, wenn die Football-Spieler einen Sieg über die Russen errangen, brüllten sie den Namen ihrer Mannschaft: „Wolverines!“ Irgendwann stimmte einer der Gefangenen mit ein und der Schrei wurde sofort von anderen aufgenommen, begleitet von betrunkenem Gelächter. Auch nachdem der Film vorbei war brach erneutes Gegröle los, sobald jemand "Wolverines!" rief - bis am Ende der halbe Zellenblock am Gebrüll beteiligt war.

Ein Häftling begleitete das Krakeelen irgendwann mit Wolfsgeheul, was sofort eine Debatte unter den Betrunkenen auslöste. „So macht doch kein Wolverine!“ „Doch, klar!“ „Nein, mit Sicherheit nicht!“ „Doch!“ „Nein, so macht ein Wolf, Dumpfbacke!“ „OK, Klugscheißer, dann zeig doch du, wie ein Wolverine macht!“

Da niemand so recht wusste, welche Art von Geräusch ein Wolverine wohl von sich geben würde, entschied man schließlich, dass das Wolfsgeheul gut genug war. So stimmte die ganze Gruppe ihr Wolfsgeheul an, sobald wieder jemand „Wolverines!“ rief, unter lautem Lachen.

Am nächsten Morgen wurde das ganze Gefängnis abgeriegelt. Die Abteilung für Special Investigative Services (SIS) hatte eine Untersuchung über einen möglichen Bandenkonflikt eingeleitet und das Gefängnis blieb so lange im Lockdown, bis jeder einzelne Häftling in deren Büro hinausbegleitet und befragt worden war. Dieser Prozess dauerte etwa drei Tage.

Was wollten sie wissen? Sie haben es erraten: Wer die Wolverines sind. Das SIS hatte bereits „zuverlässige Informationen“ darüber erhalten, dass die Wolverines eine Südstaaten-Gang seien, die versuchte, in das Gebiet der Aryan Brotherhood einzudringen - ein Blutbad drohte. Was für ein Glück, dass das SIS bereits an der Sache dran, um die Menschheit davor zu bewahren.

Nach den Befragungen wurden über 30 Personen weggesperrt, als mutmaßliche Wolverines. Ich war einer dieser Verdächtigen. Diejenigen von uns, die klug genug waren, den Mund zu halten und jegliche Kenntnis von irgendetwas zu leugnen, wurden innerhalb weniger Wochen wieder in den normalen Zellentrakt entlassen. Ein paar tapfere Seelen beschlossen jedoch, dass sie helfen wollten, und versuchten, das Missverständnis zu klären. Sie schilderten die Handlung von dem Film "Die rote Flut", erklärten, was sich ereignet hatte, und ließen verlauten, dass es gar keine Wolverine-Gang gab.

Ich habe keinen dieser Männer je wiedergesehen. Da sich das SIS niemals täuschen lässt, sind sie natürlich nicht auf die „Lügen“ über Filme und Saufgelage hereingefallen. Dieser „Täuschungsversuch“ wurde dazu benutzt, alle fünf dieser Gefangenen als „bekannte Wolverines“ zu bestätigen, die sich gemeinsam verschworen hatten, um ihre Bande geheim zu halten. Sie blieben alle weggesperrt und warteten auf ihre Verlegung in ein Gefängnis, in dem mehrere Gangmitglieder untergebracht sind.

Kurz nach diesem Vorfall wurde ich an eine andere Gerichtsbarkeit übergeben und war fast viereinhalb Jahre fort. Nach meiner Rückkehr wurde bei den Aufnahmegesprächen für die Gefangenen, die in das Gefängnis gebracht wurden, jede Person nach dem Wissen über eine bestimmte Gang befragt... die immer noch schwer fassbaren Wolverines.

Soweit ich weiß, könnte die Suche immer noch andauern. Deshalb ist es nie eine gute Idee, das SIS zu informieren, wenn es sich nicht um eine Gang handelt!

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Foto: Shutterstock.com / Aspen Photo

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