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#6 Weihnachts-Special: Denke wie ein Häftling

Es ist mal wieder soweit, Weihnachten steht vor der Tür. Von allen Seiten wird ein jeder mit heiterer Weihnachtsmusik beschallt und mit Werbung überschwemmt, die einem sagt, was man sich wünschen soll und dazu auffordert, zu kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, bevor es zu spät ist. Ist es bei all dem Unfug verwunderlich, dass so viele Menschen zu vergessen scheinen, worum es in dieser Zeit des Jahres eigentlich geht?



Das Leben eines Gefängnisinsassen ändert sich nicht viel, ungeachtet der Jahreszeit. Da auf alle üblichen Elemente der Weihnachtsstimmung verzichtet wird, sind Feiertage in den Gefängnissen eher eine düstere Angelegenheit. Dieses Jahr trifft dies besonders auf diejenigen in Terre Haute zu, wo das Schreckgespenst von möglichen anstehenden Hinrichtungen in unmittelbarer Nähe lauert. Nur einen Tag, bevor ich diesen Text schrieb, reichten mehrere Staaten beim Obersten Gerichtshof Schriftsätze ein, um ihre Unterstützung bezüglich einer sofortigen Hinrichtung von 27 Gefangenen in der Todeszelle auf Bundesebene auszudrücken.


All dies macht es für die Betroffenen sehr einfach, sich mit ihren Verlusten und dem, was sie nicht mehr in ihrem Leben haben, zu beschäftigen. Umgekehrt erleichtert es aber auch das Bewusstmachen der Dinge, die man hat. James Clavell schrieb einmal in einem Roman: „Nur wer am Rande des Todes lebt, kann die unbeschreibliche Freude am Leben verstehen." Worte mit mehr Wahrheitsgehalt wurden selten gesprochen.


Aus diesem Grund denken viele Gefangene im Todestrakt häufig über die Menschen nach, die nichts haben. Selbst die egoistischsten Gefangenen und jene, deren Verbrechen den Schluss zulassen würden, sie seien völlig herzlos, sind zu dieser Jahreszeit oft großzügig, wenn es darum geht, Wohltätigkeitsorganisationen zu unterstützen.


In diesem Jahr haben viele Häftlinge in Terre Haute das Brown Bagger School Food Program als ihre bevorzugte Wohltätigkeitsorganisation ausgewählt – ein Projekt vor Ort, das sicherstellen möchte, dass unterprivilegierte Kinder, die zu Hause nicht genug zu essen bekommen, auch am Wochenende ausreichend Nahrung erhalten, wenn sie nicht durch die regulären Schulverpflegungsprogramme abgedeckt sind.


Gefangene sind von Natur aus skeptisch und misstrauisch, in jeder Hinsicht. Wenig zu geben zu haben bedeutet, noch mehr Vorsicht als üblich walten zu lassen, wenn es um die Auswahl von Wohltätigkeitsorganisationen geht. In den USA ist es für viele große Wohltätigkeitsorganisationen und „Non-Profit"-Organisationen üblich, Spenden anzunehmen und dann bis zu 90% des Geldes für „Verwaltungsaufwendungen " zu behalten. Es gibt viele Beispiele für Organisationen, die Milliarden einnehmen und das Meisten davon selbst einsacken.


Diese Art von Diebstahl und Kriminalität, die an dieser Stelle in einem unvorstellbaren Ausmaß vorliegt, stellt die Handlungen von 99% aller Gefangenen in den Schatten. Doch das Ganze ist völlig legal, und das zehnprozentige Almosen, das sie so großzügig in die Hilfe für andere investieren, ermöglicht es den Organisationen, ihren steuerbefreiten Status zu behalten, während sie lachend ihren Profit zur Bank tragen. Niemand hier möchte sein Geld bei solchen Organisationen lassen!


Das Brown Bagger Program verwendet 94% seiner Betriebsausgaben für den Einkauf von Lebensmitteln. Wenn eine Spende mit dem Vermerk „Nur für Lebensmittel“ ankommt, werden 100% dieser Mittel allein für Lebensmittel verwendet. Das sind keine Menschen, die versuchen, sich selbst einen Vorteil zu verschaffen und einen persönlichen Gewinn zu erzielen. Sie versuchen wirklich etwas zu bewirken. Das Geld, das ihnen geschickt wird, ist gut angelegt, was der Grund dafür ist, dass sie auch meine persönliche Unterstützung erhalten.


Was auch immer Ihre Überzeugungen sein mögen, ob Sie Weihnachten oder Kwanzaa, Chanukka oder das Julfest feiern, die Wintersonnenwende oder etwas anderes - es ist meine Hoffnung, dass ein Jeder auch an die weniger vom Glück gesegneten Menschen denkt. Wenn Sie dies tun, spenden Sie bitte nicht an eine beliebige Wohltätigkeitsorganisation, nur weil deren Anliegen in ihrer glanzvollen Werbung gut klingt. Denken Sie wie ein Häftling! Überprüfen Sie, wohin das Geld fließt und wie es verwendet wird. Machen Sie in diesem Jahr einen echten Unterschied im Leben von jemandem, dem es schlechter geht als Ihnen, anstatt einem reichen Betrüger zu helfen, seine Taschen weiter zu füllen.


Schöne Feiertage und passen Sie auf sich auf.


(Jeder, der das Brown Bagger School Food Program unterstützen möchte, findet anbei zwei Links zum Projekt.)



Facebook-Gruppe: https://www.facebook.com/groups/BrownBaggerSchoolFoodProgram/


Spenden-Webseite; https://www.gofundme.com/f/brown-bagger-school-food-program-building-fund




Bild: ER_09 / Shutterstock.com

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